Alles verboten?

Foto: Michaela Habetseder

Soziale Natur-Nutzungskonflikte im Fokus

Natur betreten verboten?!: Die Gemeindeentwicklung beschäftigte sich heuer im Rahmen dieses Schwerpunktes mit den verschiedenen Facetten und Fragestellungen der Nutzungsintensität naturnaher Erholungsräume.

Ob denn wirklich „Alles verboten“ ist oder gehört, war nach einer Reihe von (Diskussions-)Veranstaltungen und Online-Impulsgesprächen im Frühjahr im Pinzgau auch im Herbst noch einmal Thema von Gesprächsrunden in Lofer und Saalfelden.

Almfrühstück und Bürgerversammlung
In Lofer trafen sich die „Almer“ – also Almbauern, Grundbesitzerinnen und Grundbesitzer, Grundstücks-Nutzerinnen und -Nutzer sowie Vertreterinnen und Vertreter von Tourismus, Bergbahnen und Landwirtschaft zu einem Almfrühstück auf „halber Höhe“, dem Loderbichl, zwischen Lofer und der Loferer Alm. Austausch bei Kaffee, Sonnenschein und Weitblick war angesagt. Bei den Themen, die auf der Alm unter den Nägeln brennen, waren ein paar altbekannte dabei: die Radfahrerinnen und Radfahrer, die kreuz und quer durch Wiesen und Wälder fahren, das Ignorieren von Respektabstand zu Tieren und auch das Wissen, dass unerwünschtes Verhalten durchaus vereinzelt – und das noch dazu vorwiegend von Einheimischen – gezeigt wird.

In Saalfelden traf man sich im Rahmen der Bürgerversammlung im Congress Saalfelden zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern von Ortsbauernschaft, Tourismus, Alm- und Bergbauernverein. Zusätzlich konnten in der Gesprächsrunde externe Experten wie Dieter Stöhr vom Land Tirol, Projekt „Bergwelt Tirol – Miteinander erleben“, und Norbert Brandtner, Forstexperte im Tennengau, interessante Aspekte aus der Praxis einbringen.

„Kanalisierung“ als ein Lösungsansatz
Manche der Lösungsansätze sind leichter, manche schwerer umzusetzen. Einigkeit herrschte darüber, dass Information über richtiges Verhalten schon die halbe Rechnung begleicht, besonders bei Urlaubsgästen. Und dass, wenn es ein entsprechend gutes Angebot an erlaubten und ausgeschriebenen Strecken gibt, diese auch genutzt werden und so andere verschont bleiben. „Kanalisierung“ ist hier der verwendete Begriff dafür.
Weiteres Thema: die Bilder, die in der Öffentlichkeit vermittelt werden. Idyllen, die wir nicht haben wollen – wie Picknick im hohen Gras in der Wiese, Skifahren auf unbefestigten Pisten, Kälber streicheln – werden zwar von regionalen Touristikern bewusst nicht so produziert, aber was auf Social Media passiert und was andere Werbetreibende veröffentlichen, ist kaum zu beeinflussen.
Meinungsverschiedenheiten gibt es nach wie vor zur Hundeproblematik (Freilauf, Kot, Beförderungsgebühren).
Eine Hunde-Ortstaxe einzuführen, wäre einzigartig im Land und keine gute Werbung. Außerdem würde für ein Entgelt eine entsprechende Gegenleistung erwartet.

Und egal ob Expertenrunde oder Wirtshausstammtisch, ein Thema bleibt immer mit Fragezeichen und Grauzonen versehen: das Rechtliche. In welcher Form gilt nun die STVO im Wald? Auf einer ausgeschriebenen MTB-Strecke? Was hat beim allseits diskutierten „Kuh-Urteil“ zur Haftungs-Entscheidung geführt?

Hinterfragen und (etwas) Dampf ablassen
Zu all den verschiedenen Themen, die diskutiert wurden, wurde auch festgestellt, dass eines wichtig ist: hinterfragen. Was stimmt wirklich an den erzählten Geschichten? Wie hoch sind die Frequenzen wirklich? Und welche Maßnahmen waren wirksam, welche nicht?
Manchmal bieten die Gesprächsrunden auch den Platz, um etwas Dampf abzulassen. Da kommen wiederholt ein paar Behörden gar nicht so gut weg dabei. Bemerkt wurde nicht nur von Moderator Cyriak Schwaighofer, dass viele der geltenden Gesetze aus den 1970er Jahren stammen, und sich die Rahmenbedingungen speziell im Tourismus und Sportverhalten deutlich geändert haben.
Aber auch wenn lang bestehende Verordnungen deshalb nicht sofort geändert werden, tut es doch gut, Themen aufs Tablett zu bringen, die Dinge von mehreren Perspektiven zu betrachten und auch den Wert der eigenen Arbeit festzuhalten. Die Wege auf die Almen sind hier ein oft angeführtes Beispiel. Wenn ein Weg auf eine Alm nicht gebaut oder genutzt werden darf, hört sich irgendwann auch die Almwirtschaft auf. Eine Wirtschaft, von der nicht nur die Bauern leben, sondern ebenso wir, die die Produkte der Bauernschaft täglich konsumieren. Und nicht zuletzt die Besucherinnen und Besucher der beeindruckenden Natur, die die schönen Momente in den Bergen und auf der Alm so schätzen.

Kontakt:
Alexander Glas
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